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vigilance, struggle, pride: through her eyes

Künstler*innen: Ahlam Shibli, Amak Mahmoodian, April Gertler, Hannah Starkey, Laia Abril, Lua Ribeira, Nina Berman, Nina Mangalanayagam, Nydia Blas, Sandra Vitaljic, Tasneem Aisultan, Tomoko Sawada, Zanele Muholi
Kuratorin: Marina Paulenka

Die europäische Wanderausstellung VIGILANCE, STRUGGEL, PRIDE: THROUGH HER EYES eröffnet am 3. Mai in Berlin und präsentiert im Kunstquartier Bethanien dreizehn internationale Künstler*innen, deren Werke weibliche* Identitäten und Lebensrealitäten abbilden, kritisch beleuchten und in neue Zusammenhänge stellen. Die Werke sind in verschiedenen Kontexten und vor dem Hintergrund unterschiedlicher persönlicher Erfahrungen entstanden und bieten in ihrer Gesamtheit einen modernen Blick auf die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechterrollen und heteronormativen Zuschreibungen, die Politik des weiblichen* Blickes, weibliche* Selbst- und Fremdwahrnehmung und vermeintliche Wahrheiten rund um Frau*sein, Familie und Sexualität. Dies ohnen den Anspruch zu erheben, die gegebene Situation vollkommen verstehen und ändern zu können, sondern vielmehr darauf abzielend, alternative Diskurse und Narrative zu inspirieren, tradierte Rollenverständnisse kritisch zu hinterfragen und weibliche* Identitäten und Realitäten in ihrer Diversität abzubilden. Präsentiert werden in der Gruppenausstellung Arbeiten von etablierten und international bekannten genauso wie aufstrebenden Künstler*innen aus der ganzen Welt:

Hannah Starkey porträtiert Frauen bei alltäglichen Szenen im urbanen Kontext und generiert so intensive Stillleben, die fast schon voyeuristische Einblicke in Momente der Zurückgezogenheit im urbanen Alltag eröffnen. Bereits seit über 20 Jahren fokussiert Starkey sich in ihrem fotografischen Werk auf Frauen und schafft es immer wieder, gewöhnliche Szenen und die Verbindung des Individuums mit seiner Außenwelt intensiv und einnehmend einzufangen. Durch die Kombination gefundener Fotografien mit Collagen und Zeichnungen bringt April Gertler Gegenüberstellungen und Abstraktionen verschiedener feministischer Perspektiven zum weiblichen Körper und dessen Darstellung in Mode und Medien zusammen. Lua Ribeira fordert westliche Zuschreibungen und Vorstellungen von Weiblichkeit und Sexualität heraus, indem sie jamaikanische Tänzer*innen bei Dance Hall Ritualen und Performances porträtiert, die in ihrer farbenfrohen, mystischen und transformativen Art innovativ und provokativ zugleich sind und den Blick für andere kulturelle Konzepte und Frau*sein eröffnen und zugleich Raum für Interpretation lassen. Mythen und Irrglauben beschäftigen auch Laia Abril, die in ihren starken Werk Myths of Menstruation mit Blick auf vermeintliche Wahrheiten verdeutlicht, wie stark Menstruation von patriarchalen Machtverhältnissen geprägt ist und über geografische und kulturelle Grenzen hinweg ein tief verwurzeltes Tabuthema bleibt, das zu wenig auf Fakten und zu viel auf vermeintlichen Annahmen basiert und Frauen und Mädchen stigmatisiert, befremdet und einschränkt.

Amak Mahmoodian betrachtet die Identität iranischer Frauen, indem sie Fotografien und Fingerabdrücke aus iranischen Geburtsurkunden – Shenasnameh – sammelt und gegenüberstellt. Diese offiziellen Fotografien scheinen in ihrer Gesamtheit zunächst einheitlich, entfalten beim genauen Hinsehen und in Kombination mit dem Fingerabdruck jedoch ihre Individualität. Konformität, kulturelle Identität und Individualität stehen auch bei der derzeit bekanntesten japanischen Fotografin Tomoko Sawada im Zentrum: 300 Selbstporträts zeigen ihre Transformation in verschieden asiatische Nationalitäten, die die Betrachtenden dazu herausfordern, sich mit den eigenen homogenen Vorstellungen von kulturellen und ethnishen Identitäten auseinanderzusetzen. Festgefahrene Stereotype und Klischees über kulturelle Gruppen lassen nur wenig Raum für Individualität, den sich Sawada zurückerobert. Tasneem Aisultan begleitet in ihrem Langzeitprojekt Saudi Tales of Love Frauen, die in Saudi-Arabien zwischen Tradition, Glaube und Moderne leben und porträtiert die Diversität verschiedener Lebenskonzepte zwischen Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Zwängen, immer den Fragen nachgehend: Braucht es Ehe, um Liebe zu leben? Braucht es einen Ehemann, um ein bedeutendes Leben zu führen?

Heimat ist in Ahlam Shiblis Werk ein anhaltendes Thema, zuletzt war sie bei der documenta 14 mit einem Beitrag unter ebendiesem Titel zu sehen. Wir präsentieren die Reieh ‚Death‘, die verschiedene Erinnerungspraktiken palästinensischer Familien zum Gedenken an Verstorbene zeigt. Shibli fängt ein, wie Märtyrer, palästinensische Kämpfer aber auch Frauen, Männer und Kinder, die ihr Leben infolge der israelischen Besatzung Palästinas ließen, weiterhin in Häusern, Straßen, Flüchtlingsheimen präsent sind. Nina Mangalanayagams Video-Installation ‚We call her Pulle‘ beschäftigt sich mit Herkunft, der Unterschiedlichkeit von (Gewalt-)erfahrungen und Herausforderungen interkultureller und generationenübergreifender Kommunikation.

Die Mission der international gefeierten ‚visuellen Aktivistin‘ Zanele Muholi ist es, die LGBTQ Szene Südafrikas sichtbr zu machen, um den Aktivismus und politischen Widerstand der Bewegung visuell in Geschichtsverständnis Südafrikas einzuprägen: mit Brave Beauties portätiert sie Transfrauen und geschlechtlich nicht-binäre Individuen und feiert in schwarz-weißen Fotografien die Diversität von Körpern, das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein der queeren Community. Sandra Vitaljic wirft einen anatomischen Blick auf weibliche Körper und stellt Körperteile, die üblicherweise mit romantischen und erotischen Gefühlen verbunden werden, in neues Licht. Zeigt Herz, Haut und Haar losgelöst vom Körper und – infolge von Gewaltverbrechen in Beziehungen – kalt, tot und verletzt und objektiviert damit die Viktimisierung von Frauen und weiblichen Köpern auf unbehagliche und zugleich einprägsame Weise. Durch eine unglaubliche und einnehmende Lebensgeschichte führt Nina Bermans kürzlich erschienenes Buch An Autobiography of Miss Wish: ganze 25 Jahre begleitete die Fotografin das bewegte Leben einer starken Frau, die ihren Platz im Leben nach sexueller Ausbeutung zwischen Trauma und Drogensucht zu finden sucht. Nydia Blas hingegen thematisiert die Art und Weise, wie Gesellschaft Individuen jenseits der bestehenden, wohldefinierten Grenzen ignoriert, marginalisiert und (ab)wertet. Die Künstlerin greift auf die Schaffung eines physischen und allegorischen Raumes zurück und enthüllt in ihrem Werk die gesellschaftlichen Konstrukte von Sexualität, biologischem Geschlecht und Gender.

Die Ausstellung feierte Premiere in Maribor (Slowenien) und wird neben Berlin im Laufe des Jahres noch in Zagreb und Bratislava zu sehen sein. Das Projekt wurde von einer europäischen Partnerschaft realisiert in Kooperation mit: Organ Vida – International Photography Festival (HR), E@l (SK), Drustvo za Evropsko Zavest (SI), Fotoclub Maribor (SI), Österreichische Gesellschaft für Kinderphilosophie (AT), kofinanziert durch das Program „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ der Europäischen Union.

Eröffnung: 03. Mai 2018, 19 Uhr

Rahmenprogramm: Podiumsdiskussion am Donnerstag, 17. Mai 2018, 19 Uhr

Öffnungszeiten: 04.-17. Mai 2018, täglich 12 – 20 Uhr

https://www.facebook.com/events/1608637255880843/

Veranstalter

KuBiPro – Kultur- und Bildungsprojekte e.V.
Erich-Steinfurth-Straße 6
10243 Berlin

Für weitere Informationen, Pressebilder udn Interviewanfragen: friesen@kubipro.org